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15. 1. 2008, 22.13

Die Petition gegen das neue Radiojournal haben schon fast 7000 Hoerer unterschrieben

Liebe Freunde,

erlauben Sie uns Ihnen die Buergerinitiative „Wir wollen nicht umschalten, denn wir wissen nicht wohin“ vorzustellen, eine Initiative gegen Veraenderungen, zu denen es im Sendebetrieb des 1.Programms des Tschechischen Rundfunks ab dem 01.Januar 2008 kam.

Das ehemals renommierte Qualitaetsradio Radiojournal, welches dank seiner Glaubwuerdigkeit oft auch von auslaendischen Medien zitiert wurde, veraenderte sich ueber Nacht in einen Sender mit unklarem Sendeziel. Es wurde flugs von den Hoerern in „Radioboulevard“ umbenannt. Das Radiojournal war der einzige Massensender in der Tschechischen Republik, der sich von den Privatradios eben dadurch unterschied, dass er nicht kommerziell war.

Die Autorin der neuen Konzeption ist die neue Intendantin des Radiojournals Barbora Tachecí, die vor ihrer Berufung in ihre jetzige Funktion am 01.November 2007 als Programmdirektorin des Privatradios Frekvence 1 taetig war und davor den Posten der Pressesprecherin der IPB-Bank begleitete.

Laut Tachecí war der Grund fuer die Veraenderungen im Sender die sinkende Hoererzahl. Nach unserer Meinung sollte aber die Einschaltquote beim oeffentlich-rechtlichem Rundfunk nicht der primaere Gesichtspunkt sein. Wichtig ist im Gegenteil, unserer Meinung nach, die Qualitaet der Sendungen.

Ab dem 01.Januar hat sich das Radiojournal privaten Sendern angenaehert, beginnend bei der Tongrafik ueber das Programmschema bis zu den Moderatoren, die aus Privatsendern rekrutiert wurden.

Nach Ansicht der Unterzeichner der Petition „Wir wollen nicht umschalten, denn wir wissen nicht wohin“ sind die Veraenderungen nicht gelungen und fuehrten zur Schaedigung des Prestiges des Radiojournals.

Der Gegenstand unserer Kritik ist die Sendeform, die Art und Weise und die Reihenfolge der Berichterstattung, Inkompetenz der Hauptmoderatoren, die die „neuen Gesichter“ des Radios werden sollen (sie versprechen sich haeufig, machen sachliche Fehler, sprechen Umgangssprache, artikulieren schlecht, verfuegen ueber eine falsche Diktion, sind jovial und ausgeflippt, so wie die Moderatoren in den kommerziellen Sendern).

Hauptmerkmale des neuen Radiojournals:

  • Boulevardisierung der Inhalte, Rueckzug aus serioeser Berichterstattung
  • Unprofessionelle Moderatoren
  • Schlechte Sprache und Grammatik, unkultiviertes Tschechisch
  • Musikauswahl nach kommerziellen Kriterien

Geschichtlicher Hintergrund:

Das Radiojournal ist das 1. Programm des Tschechischen Rundfunks , es ist der aelteste Sender in der Tschechischen Republik , der Sendebetrieb begann im Jahre 1923. Heute besteht der oeffentlich-rechtliche Tschechische Rundfunk bereits aus 11 Programmen.

Den Intendanten des Radiojournals ernennt der Intendant (Generaldirektor) des Tschechischen Rundfunks , den wiederum ernennt der neunkoepfige Rundfunkrat des Tschechischen Rundfunks . Die Mitglieder des Rundfunkrats werden von der Abgeordnetenkammer des Parlaments der Tschechischen Republik fuer jeweils sechs Jahre gewaehlt.

Die Petition gegen das neue Radiojournal haben schon fast 7000 Hoerer unterschrieben.

PRESSEBERICHT

Prag, den 15.Januar 2008

Die Ablehnung des neuen Gesichts des Radiojournals wurde bereits von fast 7000 Radiohoerern durch Unterschriften unter zwei existierenden Petitionen ausgedrueckt. Zwei verschiedene Aktionsgruppen schlossen sich in den vergangenen Tagen zu einer gemeinsamen Buergerinitiative zusammen, deren Name „ Wir wollen nicht umschalten, denn wir wissen nicht wohin“ ist. Ihren harten Kern bildet eine Gruppe von etwa 15 aktivsten unzufriedenen Hoerern, die gemeinsam die zentrale Webseite www.iprotest.cz schufen und verwalten. Hier koennen alle, die mit der neuen Form des Radiojournals unzufrieden sind, alle bisherigen Informationen und Dokumente finden, die Petition unterschreiben und ihre Meinung in Diskussionsforen ausdruecken. Wir weisen darauf hin, dass es nicht um eine Initiative mit politischen Absichten geht und dass unter den Aktivisten keine Angestellten oder Mitarbeiter des Rundfunks sind. Es geht um eine Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Berufen, die aufgrund der Veraenderungen im Sendebetrieb des Radiojournals entstand, und die sich um ihre Ruecknahme bemueht.

Wir machen auf folgende Fakten aufmerksam, wir fordern und rufen auf :

1. Wir rufen die Leitung des Tschechischen Rundfunks einschliesslich des Rundfunkrates auf die Augen nicht zu schliessen angesichts der grassierenden Hoererunzufriedenheit. Wir machen darauf aufmerksam, dass es sich um den bisher groessten und intensivsten Protest in der neueren Geschichte des Tschechischen Rundfunks handelt. Wir erinnern daran, dass es im Kodex des Tschechischen Rundfunks heisst : „der Hoerer steht an erster Stelle“.

2. Wir rufen die Leitung des Tschechischen Rundfunks sowie den Rundfunkrat zum Dialog ueber die programmatischen und personellen Veraenderungen im Sendebetrieb des Radiojournals auf.

3. Wir fordern eine Umbewertung der programmatischen und personellen Veraenderungen nach dem 01.01.2008 durch das Management des Tschechischen Rundfunks und den Rundfunkrat. Nach Meinung der bisherigen 7000 Unterzeichner der Petition kam es zur Verschlechterung des inhaltlichen und formellen Niveaus dieses Senders.

4. Wir fordern die Abschaffung der Boulevardisierung des Sendebetriebs des Radiojournals durch die Rundfunkleitung.

5. Wir fordern eine ehrliche Antwort auf die Frage warum aus dem Sendebetrieb der Grossteil von urspruenglichen Ansagern und Moderatoren verschwand und diese durch Ansager und Moderatoren mit niedrigerem Niveau ersetzt wurden.Wir meinen, dass die professionellen Leistungen der neuen Moderatoren nicht im Einklang mit dem Kodex des Tschechischen Rundfunks stehen : „Die Ansager, Moderatoren und Redakteure sind verpflichtet generell amtliches Tschechisch zu gebrauchen (mit Ausnahmen bei Zitaten) und die Sprache richtig und vorbildlich zu gebrauchen.“ Umgangstschechisch gehoert nach Meinung der Unterzeichner nicht in den Sendebetrieb der oeffentlich-rechtlichen Medien.

6. Nach unseren Berechnungen verschwanden 41 Sendungen aus dem Radiojournal ohne Ersatz, es wurden lediglich 7 neue geschaffen. Fuer die abgeschafften kann man stellvertretend die Traditionssendung Motojournal nennen – laut den Grundsaetzen der Programmziele des Tschechischen Rundfunks soll der Rundfunk spezielle Sendungen ueber Wirtschaft, Sport, Strassenverkehr usw. ausstrahlen.

7. Wir rufen Fachleute aus der Oeffentlichkeit auf, einschliesslich Medienexperten und Sprachenexperten, an oeffentlichen Fachdiskussionen teilzunehmen, die sich mit dem Niveau des gegenwaertigen Radiojournals beschaeftigen.

8. Wir rufen die Leitung des Tschechischen Rundfunks einschliesslich des Rundfunkrates auf zu einer glaubwuerdigen Erlaeuterung der radikalen programmatischen und personellen Veraenderungen und der Grundlagen, Studien und Erhebungen, die zu diesen Veraenderungen fuehrten. Wer gab den Auftrag dazu, wer verarbeitete die Daten und zu welchen finanziellen Konditionen ?

9. Wir rufen die Intendantin des Radiojournals Barbora Tachecí auf, in ihren Medienauftritten und schriftlichen Antworten auf Hoereranfragen ihre arrogante und ueberhebliche Einstellung abzulegen. Diese schadet dem bisher guten Namen des gesamten Tschechischen Rundfunks.

10. Sollten unsere Anregungen nicht beachtet werden und sollte keine offene und serioese Diskussion seitens der Leitung des Tschechischen Rundfunks eroeffnet werden, sehen wir uns gezwungen radikalere Schritte einzuleiten.